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Ein Liebesmärchen?

Für Max

Es ging am Anfang lediglich um eine Wette. Eine, die schon in kindstagen geschlossen wurde. Zwischen Krimhilde und ihrem Sandkastenfreund Erwin, ihrer großen Liebe. Die zwei spielten oft zusammen im Wald Krieg und als Krimhilde Erwin zu Boden zwang, sich auf seine Brust setzte dort eine Weile verblieb (sie aß in der Zwischenzeit einen Apfel, denn sie blieb dort schon eine wirklich lange Weile) legte sie sich im Kopf einen Plan zurecht.

Erwin war stark, sogar stärker als sie selbst. Das was sie besaß war Geschwindigkeit und Köpfchen, die ihrem Freund völlig unbekannt waren (das lag wohl daran, dass seine Urururoma ein Drache war, eine Drachenine sozusagen). Da Krimhilde in wenigen Monaten nun schon zum Traualtar geführt werden sollte (ihr Bräutigam war der wohlhabendste Mann in ihrem Bezirk, hatte jedoch einen furchtbaren Nachnamen) musste sie sich etwas überlegen, wie sie ihren lieben Freund und ihre große Liebe danach noch würde wiedersehen können.

Einmal im Jahr, so versprachen sie es sich, würden sie sich in diesem Wald treffen und wieder Krieg spielen. Sie würden mit Holzschwertern gegeneinander antreten und sich an ihre Regeln halten, wie sie schon seit langem galten. An dem Tag, an dem Erwin seine Freundin und Liebste zu Boden stoßen würde und sie dort eine Stunde lang würde halten können, an diesem Tage noch würde sie zu ihrem Gatten Stevano Gabel-Schwein reiten und ihr Hab und Gut in einen großen Sack packen und mit Erwin von dannen reiten.

Es zogen die Jahre ins Land und die beiden wurden wahrlich nicht jünger. Sie vergaßen sogar fast ihren jährlichen Kampf, rappelten sich jedoch immer wieder auf und trieben ihre Pferde schnell durch Städte um einige Zeit später im Dreck und in der Wiese zu liegen, schreiend, mit Holzschwertern in den Händen.

Die Pferde standen stolz auf jener Wiese, auf der auch eine Scheune stand. Das morsche Tor hing schief im Rahmen und auch der Leiter hinauf zum Strohlager konnte man nicht mehr trauen. Doch bot sie Krimhilde und Erwin noch genug Schutz vor dem Gewitter und bot ihnen einen geheimen Platz für so manch andere Kämpfe, ohne Holzschwerter.

Zeit verging und die Scheune geriet in Vergessenheit. So auch verblassten die Erinnerungen an den jeweils anderen und echter Krieg beherrschte das Land. Der Wald wurde niedergebrannt, die Pferde im Kampf getötet.

Viele Frauen wurden gefangen genommen und sollten zur Belustigung in den Ringkampf mit einem der verfeindeten Krieger treten. Sie bekamen einen Dolch, kaum Schutz für ihre Haut.

Krimhilde wurde wie ein Stück totes Fleisch in den Dreck geworfen, direkt vor die Füße des Mannes, der sie gleich umbringen würde. Um sie herum tobendes Gebrüll und Gekreische der Schaulustigen. Der Anführer der Gruppe grölte am lautesten, kein Wunder – so dick, wie er war. Krimhilde spukte hasserfüllt auf die Füße des Kriegers, sprang auf und versuchte sich zu verteidigen.

Die Bewegungen kamen ihr geschmeidig vor. Schnell. Und bekannt.

Als der letzte Hieb sie zu Boden trieb brach nicht ihr Körper zusammen.

Es war ihr Herz das in zwei brach.

Und es waren seine Augen, die groß wurden, als er in dem letzten Augenschimmer der Frau erkannte, wer sie war.

Es war der letzte Geda

 
   
 
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